Konzept für neuen Hamburger Hauptbahnhof am Berliner Tor: hochschule 21 entwickelt Entwürfe, VCD befürwortet eine Prüfung durch Senat und DB
Die Freie Hansestadt Hamburg hat sich für die nahe Zukunft sinnvolle, aber sehr ambitionierte Klimaziele gesetzt. Um diese zu erreichen, sind auch Zielvorgaben für den Modal-Split, also die Aufteilung der Verkehrsleistungen auf die verschiedenen Mobilitätsformen, durch den Senat und die Behörde für Mobilität und Verkehrswende (BVM) gesetzt worden, die eine Abnahme der PKW-Nutzung bei gleichzeitig deutlicher Zunahme der Nutzung des ÖPNV und des Fahrrads verlangen.
Diese Verkehrsverlagerung auf die Schiene, und des Weiteren die geplante neue ICE-Strecke nach Hannover und der Fehmarnbelttunnel, werden zusätzliche Fahrgastströme nach Hamburg erzeugen. Doch der Hamburger Hauptbahnhof ist heute schon massiv überlastet, und Abhilfe ist nicht in Sicht.
„Während zukünftig noch deutlich mehr Fahrgäste erwartet werden, ist der Hamburger Hauptbahnhof schon den heutigen Anforderungen bei Weitem nicht mehr gewachsen. Er ist bundesweit der überfüllteste und am stärksten überlastete Bahnhof und sorgt für die meisten Verspätungen und Ausfälle. Bisher diskutierte Projekte lösen diese Problem nicht – sie sind am heutigen Standort auch nicht lösbar“, so Jonas Spanier, Vorstandsmitglied des VCD Nord.
Ein bislang verlautbartes Projekt war der Verbindungsbahn-Entlastungstunnel, kurz VET. Dieses Projekt ist mittlerweile faktisch eingestellt und wird nicht mehr aktiv vorangetrieben. Er hätte lediglich die Strecke vom Hauptbahnhof über Diebsteich in die Abstellanlage für leere ICEs erweitert, den Hauptbahnhof selbst jedoch kaum. Die eigentlichen Probleme wären durch ihn kaum behandelt worden. Zudem hätte sein Bau eine mindestens 7-jährige Sperrung der S-Bahn zwischen Hbf und Altona über Jungfernstieg/Landungsbrücken erfordert.
Die Nichtrealisierung des VET hat auch großen Einfluss auf den neuen Bahnhof Altona am Diebsteich. Dessen Empfangsgebäude sowie die neue S6 nach Lurup basieren auf den VET-Planungen, und hängen nun in der Schwebe. Im Verständigungspapier des Dialogforums Schiene Hamburg-Altona haben Senat und Bahn vertraglich garantiert, in Bezug auf den VET „offen zu sein für bessere Lösungen zur Erreichung der Ziele, wenn sie sich verfahrensbegleitend ergeben. Sie werden in diesem Fall im Rahmen der Arbeit des Dialogforums begleitende Gutachten einholen.“ Der VCD erwartet diesbezüglich nun vom Senat und der Bahn, dass diese Gutachten eingeholt werden.
Um zukunftsfähige Lösungen zu finden, ist eine umfassende Gesamtbetrachtung des Bahnknotens Hamburg nötig. Diese, sowie eine darauf basierende Entwicklung ganzheitlicher Maßnahmen hat bisher nicht stattgefunden. Dies hat der VCD nun angeschoben, und dabei auch Details wie einzelne Fahrwegbeziehungen und einen Baustellenfahrplan berücksichtigt.
Ergebnis dieses Prozesses ist ein zielfahrplanbasiertes Gesamtkonzept, dessen Herzstück der Neubau eines Hauptbahnhofs am Standort Berliner Tor ist. An dieser Stelle stehen ca. 10 Hektar bisher unvorteilhaft genutzter Fläche zur Verfügung – genug, um einen Bahnhof mit 27 Bahnsteiggleisen für den Regional- und Fernverkehr zu errichten (der heutige Hauptbahnhof verfügt lediglich über 8). Diese sind dabei nach Vorbild des neuen Berliner Hauptbahnhofs in zwei Gleisebenen übereinander angeordnet.
Durch die Zusammenarbeit mit der Projektentwicklungsgesellschaft Prio Holding sowie der patriotischen Gesellschaft von 1765 kam eine planerische Kooperation mit der hochschule 21 in Buxtehude zu Stande. Dabei sind im Rahmen eines Entwurfsprojekts unter der Leitung von Prof. Dipl.-Ing. Philipp Kamps und Prof. Dr.-Ing. Karsten Ley konkrete Entwürfe des potenziellen neuen Hauptbahnhofs entstanden.
Jonas Spanier hat das Verkehrskonzept maßgeblich entwickelt, und zeigt sich sehr zufrieden mit den an der hochschule 21 entstandenen Entwürfe: „Die entwickelten Pläne zeigen, dass am Berliner Tor ein Großbauwerk mit genügend Raum für das Verkehrsaufkommen von heute und morgen möglich ist, welches ansprechend in das Stadtbild integriert werden kann. Gemeinsam mit der hervorragenden Erreichbarkeit dieses Standortes durch U- und S-Bahn entsteht so die leistungsfähige Verkehrsdrehscheibe, die Hamburg so dringend benötigt“
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VCD-Vorstandsmitglied Jonas Spanier mit einem Schnittbild des neuen Hauptbahnhofs am Berliner Tor. Die Zahl der Züge im jetzigen Hauptbahnhof übersteigt die Zahl der Bahnsteiggleise.




